Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Web 2.0 in der öffentlichen Verwaltung

Die öffentliche Verwaltung hat durch den gezielten Einsatz von Web 2.0-Anwendungen die Möglichkeit den stetigen Wandel zur Dienstleistungsverwaltung in einem logischen Schritt fortzusetzen. Dabei stellen diese Anwendungen auch ein Element des Wandels der Verwaltungskultur dar. Nicht zuletzt durch eine gesteigerte Erwartungshaltung jüngerer Generationen gegenüber der Verwaltung kann ihr Einsatz eine nutzenbringende Alternative und Ergänzung zu herkömmlichen Kommunikationsformen sein. In den angelsächsischen Ländern ist diese Entwicklung bereits weiter fortgeschritten. Im öffentlichen Sektor dieser Länder finden soziale Netzwerke, Weblogs und Wikis bereits verbreitet Anwendung in der verwaltungsinternen und -externen Kommunikation, der Zusammenarbeit mit Kollegen sowie Bürgern und Unternehmen. Aber auch die bundesdeutsche Verwaltung, insbesondere auf der kommunalen Ebene, steht einer Öffnung durch den Einsatz partizpatizer und kollaborativer Elemente weniger kritisch gegenüber als in der Vergangenheit. Die leichte Realisierbarkeit durch den Rückgriff auf vorhandene Werkzeuge und die Anlehnung an bestehenden Lösungen nach dem Best-Practice-Gedanken machen Web 2.0 Anwendungen attraktiv.


ISPRAT Whitepaper - Vom Open Government zur Digitalen Agora

Open Government hat das Ziel, Politik und Verwaltung gegenüber Bürgern und Wirtschaft durch das verstärkte Angebot von Kooperation, Transparenz und Partizipation zu öffnen. Dieser Anspruch wird zurzeit schrittweise eingelöst: Eine wachsende Zahl von Beteiligungsmöglichkeiten auf allen Verwaltungsebenen sowie die Berücksichtigung von Open Government im Regierungsprogramm „Vernetzte und transparente Verwaltung“ und in der nationalen E-Government-Strategie zeigen, dass Deutschland bei diesem Thema auf einem guten Weg ist. Open Government wird jedoch nur dann seinen wahren Nutzen entfalten, wenn es – deutlich über netzpolitische Themen hinaus – im Zusammenspiel von Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft auch im Sinne eines Innovationstreibers umgesetzt wird. Open Government wird so zu einem Wegbereiter für die Digitale Agora, eine zeitgemäße Ausführung der Markt- und Versammlungsplätze in den Städten des antiken Griechenlands, die gleichzeitig Ort von Politik, Handel und sozialer Interaktion waren. 

In einem zum IT-Gipfel 2010 vorgelegten Whitepaper, welches von den wissenschaftlichen Mitarbeitern des Instituts Dr. Sönke E. Schulz, Christian Hoffmann und ThomasWarnecke gemeinsam mit dem ISPRAT e. V. und Fraunhofer FOKUS erarbeitet wurde, wird zunächst der Weg von den Preußischen Reformen zu einer modernen, IT-gestützten Verwaltung skizziert und anschließend das Entstehen der Digitalen Agora mit Beispielen belegt. Die Autoren zeigen, dass Institutionen – auch diejenigen der öffentlichen Verwaltung – in Zukunft von den neuen Interaktionsformen des Internets, z.B. sozialen Netzwerken, maßgeblich beeinflusst werden. Anhand der Beispiele „Open Data“ und „Soziale Netzwerke in der Verwaltung“ werden die Themen Transparenz und Kooperation aus organisatorisch-technischer, rechtlicher und wirtschaftlicher Sicht vertieft.

>>> Abruf der Studie auf der Seite von ISPRAT

>>> Pressemitteilung von ISPRAT

>>> Kurzmeldung auf dem IT-Gipfelblog


Web 2.0

Unter den Begriff „Web 2.0“ fallen zugleich eine Reihe mitein­ander verbundene Entwicklungen: Er bezeichnet die Interaktion der Nutzer, welche auf digitalen Plattformen zu neuen Formen der Zusammenarbeit und des Datenaustauschs zusammen finden. Das soziale Netz bezieht seine Nutzer aktiv in lebendige Wertschöpfungsprozesse ein – sei es durch die erleichterte Produktion eigener Inhalte, Kommentare, Tags oder auch nur durch die virtuelle Präsenz der Nutzer. Das Web 2.0 erlaubt es einem zuvor auf passiven Konsum beschränkten Publikum, zum Schöpfer vielfältiger multimedialer Inhalte zu werden – und stellt die Plattformen wie beispielsweise Blogs, Wikis und soziale Netzwerke für deren Verbreitung zur Verfügung.


Ziele des Forschungsprojekts

Die Möglichkeiten zur vereinfachten Kommunikation mit Vielen, der gemeinsamen Produktion von Wissen und der schnellen Verbreitung durch Jedermann kann Organisationen jedoch vor Schwierigkeiten stellen. Dies gilt nicht nur, aber besonders bei Einrichtungen, für die hierarchische Strukturen, festgelegte Kommunikations­wege und die Notwendigkeit verlässlicher Informationspolitik kennzeichnend sind. In der angestrebten Untersuchung werden die praxisrelevanten rechtlichen und informationstechnisch-organisatorischen Herausforderungen identifiziert und in ihrem Stellenwert für den Alltag öffentlicher Organisationen bewertet. Soweit vorhanden, werden praktische Ansätze zur Lösung und zum Umgang mit den analysierten Schwierigkeiten vorgestellt.


Transparenz, Kollaboration, Partizipation

Im Themenfeld „Transparenz“ werden behandelt:

  • Web 2.0-Anwendungen als Instrument zur Öffnung staatlicher Datenbestände („  Open Data“)
  • Web 2.0-Anwendungen in der öffentlichen Kommunikation (Einsatz von Twitter, Blogs u.ä. für die Öffentlichkeits- und Pressearbeit von Kommunen und zur Information der Bürger, bspw. in Form eines „Bürgertelefons 115 auf dem elektronischen Kanal")

Das Themenfeld „Kollaboration“ wird sich folgenden Themenstellungen widmen:

  • Web 2.0-Anwendungen im organisationsinternen Wissensmanagement (durch Wikis, Expertensuchen u.ä., zusätzlich aber auch Einbindung externer Akteure, bspw. in Form von Stadtwikis)

Das Themenfeld „Partizipation“ soll den Einsatz von Web 2.0-Anwendungen in Beteiligungsprozessen (bspw. in Form von Bürgerhaushalten) beleuchten.


ISPRAT Whitepaper "Social Media Guidelines"

Die „Social Media Guidelines“ sind das Ergebnis der rechts- und verwaltungs-wissenschaftlichen Auseinandersetzung des Lorenz-von-Stein-Instituts für Verwaltungswissenschaften im Rahmen des von ISPRAT geförderten Projekts „Web 2.0 in der öffentlichen Verwaltung“. Da soziale Netzwerke auch für die öffentliche Verwaltung immer wichtiger werden, empfiehlt die Studie, den Umgang mit diesen Diensten an einem Regelwerk auszurichten. Die Nutzung der Dienste kommt vor allem für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, aber auch für den fachlichen Diskurs in Betracht, soweit die öffentliche Verwaltung ihr konkretes „Verhalten auf der Plattform“ an bestimmten Vorgaben ausrichtet und rechtlich bedenkliche Funktion nicht oder nur eingeschränkt nutzt. Im zweiten Teil der Studie finden sich konkrete Formulierungs-vorschläge zur Gestaltung eines Regelwerks. Die Richtlinien für die Einbindung sozialer Netzwerke sind nicht „in Stein gemeißelt“. Sie sollen offen diskutiert und kontinuierlich weiterentwickelt werden.

>>> Download der Studie im Volltext


Präsentation der Projektergebnisse am 20. Februar 2012

Zum Abschluss des Forschungsprojektes wurde am 20. Februar 2012 ein Sammelband mit den Ergebnissen gemeinsam mit der CAU Kiel und der IHK zu Kiel der Öffentlichkeit vorgestellt.

Aus der gemeinamen Presseerklärung:

Unter dem Titel „Transparenz, Partizipation, Kollaboration – Web. 2.0 für die öffentliche Verwaltung“ kommen die Autoren unter anderem zu dem Fazit, dass die Nutzung sozialer Medien durch Verwaltung und Unternehmen rechtlich zulässig und empfehlenswert ist. „Damit widerlegen wir die Auffassung des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz, wonach der Betrieb so genannter Fanpages gegen deutsches Datenschutzrecht verstößt“, erklärt der Rechts- und Verwaltungswissenschaftler Dr. Sönke E. Schulz, der das Buch gemeinsam mit Professor Utz Schliesky vom Lorenz-von-Stein-Institut herausgegeben hat. Schulz: „Selbstverständlich trifft die öffentliche Verwaltung eine besondere Verantwortung bei der Nutzung privater Dienste im Internet. Dies bedingt jedoch keinen vollständigen Verzicht. Vielmehr muss das konkrete Verhalten ‚im Netz’ am bestehenden Rechtsrahmen ausgerichtet werden. Daher geben wir auch praxisnahe Handlungsempfehlungen für den Web 2.0-Einsatz in der öffentlichen Verwaltung, die gut verständlich und leicht umsetzbar sind.“

Die Empfehlungen können zum Beispiel dafür genutzt werden, individuelle, auf einzelne Einrichtungen abgestimmte Richtlinien zu entwickeln, wonach der Umgang mit sozialen Netzwerken für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter klar geregelt werden kann. „Dabei geht es zum Beispiel um dienst- und arbeitsrechtliche Grundsätze wie die Wahrung von Betriebsgeheimnissen oder die Nutzung von privaten Accounts“, so Schulz weiter.

Damit richtet die Publikation den Blick in die Zukunft und gibt Lösungen an die Hand, wie öffentliche Verwaltungen von den Vorteilen des Web 2.0 profitieren können. „Eine moderne Verwaltungslandschaft ist auch für die Wirtschaft im Lande ein Standortfaktor. Gleichzeitig setzt das Buch ein wichtiges Signal für die Unternehmen in Schleswig-Holstein: es geht eben doch“, sagt Tina Möller, Rechtsreferentin der IHK Kiel.

>>> Download der Pressemitteilung

>>> Download des Inhaltsverzeichnisses

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Publikationen des Projekts

  • Dr. Dirk Graudenz/Barbara Krug/Christian Hoffmann/Dr. Sönke E. Schulz/Thomas Warnecke/Jens Klessmann Vom Open Government zur Digitalen Agora, ISPRAT Whitepaper, herausgegeben von Matthias Kammer, Marie-Therese Huppertz und Horst Westerfeld, 2010 >>> abrufbar auf den Seiten von ISPRAT

  • Sönke E. Schulz/Christian Hoffmann "Rechtssichere Grundlagen für den Einsatz von Social Media", innovative Verwaltung 1/2011, S. 29-31.

  • Sönke E. Schulz (mit Philipp S. Müller) Die drei Dimensionen von Social Media Policy, Blogbeitrag v. 06.10.2011; >>> abrufbar unter www.government2020.de

  • Sönke E. Schulz Social Media Guidelines, ISPRAT Whitepaper, herausgegeben von Matthias Kammer, Marie-Therese Huppertz und Horst Westerfeld, 2011 >>> abrufbar auf den Seiten von ISPRAT

  • Sönke E. Schulz/Christian Hoffmann, Staatliche Datenerhebung in sozialen Netzwerken, in: DuD 2012, S. 7-13.

  • Christian Hoffmann/Sönke E. Schulz/Franziska Brackmann, Die öffentliche Verwaltung in den sozialen Medien? – zur Zulässigkeit behördlicher Facebook-Fan-Seiten, ZD 2013, S. 122-126.
  • Christian Hoffmann/Sönke E. Schulz, Kommunen im Web 2.0 - Nutzenanlässe und Rechtsfragen, Die Gemeinde SH 2013, S. 66-72.
  • Sönke E. Schulz/Ines Mergel/Philipp Müller/Peter Parycek, Praxishandbuch Soziale Medien in der öffentlichen Verwaltung, 2013 >>> mehr Informationen