Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

M-Government

Immer mehr Städte und Gemeinden haben bereits eigene Apps für Smartphones oder Tablet-PCs. Mit der Software für Mobilgeräte können Bürger beispielsweise defekte Ampeln oder Schlaglöcher in ihrer Umgebung melden oder andere Bürgerdienste direkt von ihrem mobilen Gerät in Anspruch nehmen. Dieses Ermöglichen von Verwaltungsdienstleistungen auf mobilen Geräten wird als Mobile Government (M-Government) bezeichnet. M-Government orientiert sich damit bereits begrifflich am E-Government, was bekanntlich für Electronic Government steht. Beiden Begriffen sind die drei Interaktionsstufen Information bereitstellen, Informationen austauschen (Kommunikation) und Verwaltungsvorgänge abwickeln (Transaktion) gemeinsam. M-Government beschreibt somit einen Teilbereich des E-Governments.


Die Integration von M-Government in der Verwaltung ist mit vielen Herausforderungen verbunden. Neben den Entwicklungs- und anschließenden monatlichen Unterhaltungs- und Pflegekosten muss vor allem eine Reihe von rechtlichen Aspekten bedacht werden. Diese umfassen neben datenschutzrechtlichen Fragen auch Aspekte zulässiger Wirtschaftsförderung, etwa wenn in der App auf lokale Angebote Privater hingewiesen wird.

Daher widmet sich das Lorenz-von-Stein-Institut in dem vom ISPRAT e.V. geförderten und gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS, der TU München und der Universität St. Gallen durchgeführten Projekt diesen Aspekten und untersucht, welche Rechtsfragen von der öffentlichen Verwaltung bei der Einführung von Mobile Government zu beachten sind.


Projektergebnisse

Mobile Government, das Anbieten und Abwickeln von
Verwaltungsdienstleistungen auf mobilen Endgeräten, bietet zahlreiche
Möglichkeiten, den Behördenkontakt für Bürger und Unternehmen einfacher,
schneller und angenehmer zu gestalten.
Der hohe Verbreitungsgrad von mobilen Endgeräten stellt schon heute die dafür nötige Infrastruktur bereit. Das Interesse an mobilen Angeboten sowohl seitens der Bürger als auch bei
Verwaltungsmitarbeitern ist groß. Zu diesem Schluss kommt das White Paper
„Mobiles Regieren und Verwalten in einer mobilen Welt“ der Arbeitsgruppe
Mobile Government, mit Vertretern aus Wissenschaft und Wirtschaft.

Die Kernaussagen des White Papers:

  • Die Umsetzung einer mobilen Lösung erfordert nicht zwingend eine dedizierte Applikation (App). Vielmehr können mobile Lösungen auf verschiedene Weise realisiert und implementiert werden, etwa durch die Nutzung des sog. Responsive Design, bei dem sich das Erscheinungsbild einer Webseite und deren Bedienbarkeit dem Endgerät anpassen, oder das Anbieten einer mobilen Version der eigenen Webseite. Dafür ist es seitens der Verwaltung notwendig, sich den potenziellen Nutzergruppen, ihren spezifischen Erwartungen und Interessen zu widmen.
  • Auf dem Weg zu einer mobilen Lösung bedarf es bei den Anbietern,
    Entscheidern und Nutzern neuer mobiler Technologien eines Umdenkens
    im Hinblick auf die Implementierung und Organisation traditioneller
    Arbeitsprozesse. Erforderlich ist eine Partizipationsstrategie, die
    Mitarbeiter der öffentlichen Verwaltung und zukünftige Nutzer frühzeitig
    bei der Entwicklung von Lösungsszenarien einbindet.
  • Eine weitergehende Durchdringung von Mobile Government erfordert
    Standards und Blaupausen für die Entwicklung von mobilen Lösungen in
    der Verwaltung, da ein Rückgriff auf weitestgehend standardisierte App‐
    Frameworks vollständige Neuentwicklungen erspart und
    Entwicklungskosten senkt.

Wenn die Verwaltung bereit ist, mit modernen Kommunikationsmitteln den
Bedürfnissen der Bürger zu entsprechen, erschließt sie sich damit das Potenzial, Prozesse zu vereinfachen, zu verbessern und neue Prozesse attraktiv zu gestalten. Jedoch bedarf der Weg dorthin eines aufgeschlossenen Blicks, eines
interdisziplinären Angangs und einer langfristigen Strategie. Sonst besteht das
Risiko, Mobile Government unreflektiert lediglich als einen neuen weiteren
Zugangskanal zu interpretieren, ohne sich dabei den tatsächlichen Potenzialen zu widmen und dadurch das Nutzenversprechen langfristig zu verspielen.

Das Whitepaper ist im Volltext auf www.isprat.net abrufbar.


Publikationen

      • Christian Hoffmann, Apps der öffentlichen Verwaltung - Rechtsfragen des Mobile Government, MMR 2013, S. 631-636.